Niels Gutschow, Axel Michaels

Growing Up: Hindu and Buddhist Initiation Rituals among Newar Children in Bhaktapur, Nepal

Die Autoren - ein Architekturhistoriker (Niels Gutschow) und ein Indologe (Axel Michaels) - legen den zweiten Teil einer Trilogie von Studien über Lebenszyklusrituale in Nepal vor, die im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Dynamics of Ritual" durchgeführt wurden. Dokumentiert wird die Initiation von Jungen und Mädchen sowohl von Hindus als auch von Buddhisten der ethnischen Gemeinschaft der Newars im Kathmandutal. Der erste Teil des Buches stellt Elemente der Newar-Rituale, den räumlichen Hintergrund von Bhaktapur und die Hierarchie der Ritualspezialisten vor - illustriert durch 21 Karten. Der zweite Teil dokumentiert mit detaillierten Beschreibungen die erste Fütterung mit fester Nahrung, Geburtstagsrituale und vorpubertäre Rituale wie das erste Rasieren der Haare, die Initiation des Jungen mit dem Lendenschurz (im buddhistischen und hinduistischen Kontext), die Hochzeit des Mädchens mit der Bel-Frucht und die Abgeschiedenheit des Mädchens. Eine Mädchenhochzeit (Ihi) und drei Einweihungen von Jungen (Kaytapuja) sind auf einer DVD dokumentiert. Der dritte Teil stellt die Texttradition vor: lokale Handbücher und Anleitungen, die von den Brahmanen-Priestern zur Anleitung der Rituale verwendet werden. Zwei dieser Texte werden bearbeitet und übersetzt, um die Funktion solcher Texte in verschiedenen Kontexten zu demonstrieren.

Die ursprünglich auf einer dem Buch beigefügten DVD veröffentlichten Filme sind auf der Multimedia-Datenbank heidICON archiviert und können über die nachfolgenden Links abgespielt werden:

1. Bel-Frucht und Lendentuch - Initiationen von Mädchen und Jungen in Bhaktapur, Nepal

2. Bel fruit and loincloth - initiations of boys and girls in Bhaktapur, Nepal

Niels Gutschow, Axel Michaels

Getting married: Hindu and Buddhist Marriage Rituals Among the Newars of Bhaktapur and Patan, Nepal

Ethno-Indology, Band 12

Mit Beiträgen von Manik Bajracharya, Christiane Brosius, und Tessa Pariyar

Getting Married ist der dritte und letzte Band über hinduistische und buddhistische Lebenszyklusrituale bei den Newars in der alten Stadt Bhaktapur in Nepal. Er verbindet umfangreiche Feldforschung mit der Edition und Übersetzung einschlägiger Ritualhandbücher. Während sich der erste Band Handling Death auf die Dynamik von Todes- und Ahnenritualen und der zweite Band Growing Up auf die Rituale der Kindheit, Adoleszenz und Jugend (insbesondere die männlichen und weiblichen Initiationsrituale) konzentrierte, befasst sich der vorliegende Band mit einer Reihe von Ritualen im Zusammenhang mit der Ehe.
Nach einem einführenden Überblick über Studien zu Heiratsritualen in Nepal geben die Autoren einige grundlegende Heiratsregeln der hinduistischen und buddhistischen Newars, die soziale Topographie und Hierarchie, die Familien der Ehepartner sowie die Probleme der Endogamie und Exogamie in Bhaktapur an. Sie beschreiben detailliert die hinduistischen und buddhistischen Heiratsrituale der Newars (die teilweise auf der diesem Buch beiliegenden DVD dokumentiert sind) und kommen zu relevanten Schlussfolgerungen hinsichtlich der Lebenszyklusrituale im Allgemeinen und des Stellenwerts, den Heiratsrituale in der Newar-Gesellschaft und im Hinduismus einnehmen. Darüber hinaus werden die Texte, die von brahmanischen und buddhistischen Priestern bei diesen Ritualen verwendet werden, bearbeitet und übersetzt und durch umfangreiche Anhänge ergänzt, die eine Liste von Elementen der Newar-Rituale und Mantras sowie einen Mantra- und allgemeinen Index für alle drei Bände enthalten. Die reich illustrierten Bücher wurden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft als einzigartiges Werk hoch geschätzt.

Der ursprünglich auf einer dem Buch beigefügten DVD veröffentlichte Film ist auf der Multimedia-Datenbank heidICON archiviert und kann über den nachfolgenden Link abgespielt werden:
Getting Married

Daniela Cappello

Transgression in the Bengali Avant-garde: The Poetry of the Hungry Generation

Transgression in the Bengali Avant-Garde stellt die Bewegung der Hungry Generation anhand ihrer Gedichte, Manifeste und anderer literarischer Materialien einem globalen Publikum vor. Die Hungry Generation entstand in den frühen 1960er Jahren in den Städten Patna und Kalkutta und erlangte internationale Aufmerksamkeit, nachdem die Dichter 1964 wegen Obszönität verhaftet wurden. Diese bengalischen Bohemiens, die das literarische Establishment heftig provozierten, nutzten Poesie und Literatur als Mittel des kulturellen Radikalismus und setzten sich mit Themen wie Sexualität, Perversion, Alkohol- und Drogenkonsum, Masturbation und Hypermaskulinität auseinander, um die bürgerliche Moral und Respektabilität in Frage zu stellen.

Das Buch beleuchtet eine Vielzahl von Quellen der Hungryalisten und untersucht die Literatur der Hungry Generation durch den Filter der "Transgression" und zeigt, wie sich dieses Konzept in der Sprache, Ästhetik und Kultur dieser bengalischen Avantgarde-Bewegung entfaltet. Darüber hinaus befasst sich das Buch mit der Poesie einiger ikonischer Vertreter der Hungry Generation und liest ihr Werk kritisch im Kontext der sich verändernden Modelle von Sexualität, Konsum und Modernisierung im postkolonialen Indien.

 

Dominik A. Haas

Vom Feueraltar zum Yoga: Kommentierte Übersetzung und Kohärenzanalyse der Kaṭha-Upaniṣad

Die Kaṭha-Upaniṣad ist ein vor etwa 2000 Jahren verfasster Sanskrit-Text, der sich mit dem Wesen des Menschen nach dem Tod beschäftigt. Als eine der frühesten Quellen, die eine als Yoga bezeichnete heilseffektive Methode lehren, hat sie auch außerhalb Südasiens Bekanntheit erlangt. Aufgrund ihrer textlichen Heterogenität wurde ihr jedoch schon oft Inkohärenz unterstellt.

In der vorliegenden Studie legt Dominik A. Haas eine neue, kommentierte Übersetzung der Kaṭha-Upaniṣad vor und analysiert sie mit Hilfe textlinguistischer Methoden. Er argumentiert, dass diese Upaniṣad von Anfang an als Kompilation konzipiert war, die neue kontemplative und yogische Lehren mit der Ritualmystik des berühmten vedischen Feueraltars verbinden sollte.

Farha Noor

Leisurely Feelings: Emotions and Concepts of Otium in South Asia

Dieses Buch entwirft eine Begriffsgeschichte von Literatur, Muße und Emotionen im modernen Südasien. Es betrachtet den kolonialen Kapitalismus als eng verflochten mit dem „Mythos des faulen Eingeborenen“ und legt den Fokus auf literarische Debatten in zwei der bedeutendsten Sprachen der Region: Urdu und Bengali. Die Studie stellt die Verschränkung von Muße mit Emotionen und Zeitlichkeit heraus. Das Buch nimmt literarische Sphären durch die Perspektiven der Emotionen, des Selbst und der Gemeinschaft in den Blick. Literarische Diskurse über Muße werden im Hinblick auf stilistische Innovationen, Debatten über koloniale Modernität und postkoloniale Unwägbarkeiten analysiert. Die Autorin stellt in diesem Zusammenhang wichtige literarisch-konzeptionelle Ausdrücke, Diskussionen und Prozesse heraus. Sie untersucht Gefühle wie Nostalgie, Melancholie, Topophilie und das Gespenstische, die tief mit südasiatischen Literaturkulturen verbunden sind und im Einklang mit den Konzepten von Muße in der globalen Moderne stehen.

Rezensionen
Nukhbah Taj Langah in Nidān, Vol. 10, no. 2 (2025)

Julia A.B. Hegewald

Jaina Temple Architecture in India: The Development of a Distinct Language in Space and Ritual

Jaina Temple Architecture in India ist die erste umfassende Studie der Sakralbauten der Jaina Religionsgemeinschaft. Die Monographie dokumentiert die Entwicklung und Eigenständigkeit der Tempelbauten der Jainas in ganz Indien und zeigt die ununterbrochene Kontinuität der Bautätigkeit von vorchristlicher Zeit bis zu Gegenwart auf. Das Besondere im jinistischen Tempelbau wird deutlich in der Ausformung des rituellen Raumes. Durch Bildung von komplexen Raumfolgen und multiplen Heiligtümern auf verschiedenen Nutzungsbenen entstehen Orte für zahlreiche Verehrungsobjekte. Die Architektur spiegelt das Spezifische des jinistischen Rituals aber auch mythologische und kosmologische Konzepte wider.

Juliane Dame (Hrsg.), Mehwish Zuberi (Hrsg.), Carsten Butsch (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 13. Jahrestagung des AK Südasien, 03.-04.02.2023, Eberswalde

Extended Abstracts der 13. Jahrestagung des AK Südasien, 03.-04.02.2023, Eberswalde

Jamila Adeli (Hrsg.), Linda Ammann (Hrsg.)

New Silk Road Narratives: Local Perspectives on Chinese Presence along the Belt and Road Initiative

Entlang der von China geführten Belt and Road Initiative werden nicht nur Waren, Finanzkapital oder Technologien gehandelt, verhandelt und zirkuliert, sondern auch Werte, Emotionen und kulturelle Praktiken. Letztere sind oft entscheidend, wenn es darum geht, sich eine transregionale Infrastruktur von der Größenordnung der BRI vorzustellen und aufzubauen. Dieses Buch untersucht die Verbindungen und Trennungen entlang der Neuen Seidenstraße anhand von Narrativen und deren kulturellen Konfigurationen. Mit Schwerpunkt auf China-Afrika-Beziehungen untersuchen die Autoren dieses Buches die Rolle von Narrativen und verschiedenen Formen kultureller Konfigurationen, um zu verstehen, wie Prozesse der Transregionalisierung lokale Denkmuster, Wahrnehmungen und Praktiken prägen.

Karl Hoffmann, Johanna Narten, Antonia Ruppel (Hrsg.), Bernhard Forssman (Hrsg.)

Veda-Sätze – Vedic Sentences

In den altindischen Veden findet man Sätze mit sehr verschiedenen Inhalten, darunter religiöse Aussagen ("Varuṇa ist wahrhaftig der Götter König"), Lebensweisheiten ("Das Denken ist schneller als die Rede") oder auch banale Beobachtungen ("Gattin und Gatte waschen einander den Rücken"). Die bekannten Erlanger Indogermanisten und Indologen Karl Hoffmann (1915-1996) und Johanna Narten (1930-2019) haben bei ihrer jahrzehntelangen Arbeit an den Veda-Texten solche Sätze in der Originalsprache gesammelt. Diese Sammlung von 863 Kurztexten wurde von Antonia Ruppel und Bernhard Forssman zweisprachig (Englisch und Deutsch) mit Übersetzungen und einem vollständigen Vokabular versehen und wird hier erstmals veröffentlicht.

The ancient Indian Vedas contain sentences of rather varied content, including religious statements ("Varuṇa truly is the king of the gods"), words of wisdom ("Thought is quicker than speech") or even banal observations ("Wife and husband wash each other's back"). The well-known Erlangen Indo-Europeanists and Indologists Karl Hoffmann (1915-1996) and Johanna Narten (1930-2019) collected such sentences in the original language during their decades of work on the Vedas. Antonia Ruppel and Bernhard Forssman have furnished this collection of 863 short texts with translations and a complete vocabulary in two languages (English and German) and are publishing it here for the first time. 

Nadja-Christina Schneider

Reimagining Housing, Rethinking the Role of Architects in India

Dieses Buch untersucht die Selbstwahrnehmung kritischer Architekt:innen in Indien. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle von Dokumentarfilmen und anderen Medienformen, durch die sie in Debatten über bezahlbaren Wohnraum intervenieren und ihre alternativen Visionen zu Raumgestaltung und nachhaltiger Architektur vermitteln. Als heterogene und mobile Gruppe entwickeln und implementieren Architekt:innen und Designer:innen tragfähige Lösungen an der Schnittstelle komplexer Herausforderungen sowie spezifischer lokaler Kontexte. Die Zusammenhänge in ihrem Designdenken und ihrer Arbeit können am besten durch die konzeptionelle Linse des kritischen Regionalismus verstanden werden.

Rezensionen

Sreya Sen in Doing Sociology (2024)

Philipp A. Maas (Hrsg.), Anthony Cerulli (Hrsg.)

Suhṛdayasaṃhitā: A Compendium of Studies on South Asian Culture, Phi­losophy, and Religion. Dedicated to Dominik Wujastyk

Die Dominik Wujastyk gewidmete Suhṛdayasaṃhitā ist ein Sammelband, der dreizehn Studien zur südasiatischen Geistes- und Kulturgeschichte vom Beginn unserer Zeitrechnung bis zur Gegenwart vereint. Die Multidisziplinarität und Vitalität der akademischen Fächer Indologie und Südasienkunde zeigen sich immer wieder, wenn führende Wissenschaftler neue Fragen stellen und neue Methoden erproben, um kritische Themen in ihren jeweiligen Forschungsfeldern zu untersuchen, wie das Verhältnis der Sprachen Gāndhāri und Sanskrit, indische und interkulturelle Ornithomantie, die Weltanschauung und Ethik des frühen Ayurveda, Strichzeichnungen in alchemistischen Sanskrit-Manuskripten, die Rolle von Cannabis in der traditionellen Alchemie (Rasaśāstra), deontische Logik und terminologische Probleme in Mīmāṃsā und Dharmaśāstra, die Identifizierung eines unbekannten Yoga-Werks in der Kommentarliteratur des Mahābhārata, psychologische Transformation und spirituelle Befreiung im Pātañjala Yoga und Buddhismus, Editionstechnik des Sanskrit und die Geschichte des Buchdrucks in Devanagari-Schrift, das menschliche Genomprojekt und die Textgeneaologie des Mahābhārata sowie schließlich die akademische Pädagogik heutiger Medizinanthropologie. Die bewährte Methode der Analyse von Primärquellen auf Sanskrit und in mittelindo-arischen Sprachen in ihren kulturspezifischen historischen Kontexten wird durch Neurowissenschaften, Psychologie, Evolutionsbiologie und Anthropologie befruchtet.

In ihrer thematischen und methodischen Vielfalt spiegelt die Festschrift, die mit einem Werkverzeichnis von Dominik Wujastyk und drei Indizes abschließt, das breite Spektrum der wissenschaftlichen Interessen und Expertise des Wissenschaftlers, dem sie gewidmet ist.

Fritzi-Marie Titzmann

Mediatised Solidarity: Media Practices of Contemporary Indian Social Movements

In einer Ära, die durch die schnelle Verbreitung der Medien und globalisierte soziale Bewegungen gekennzeichnet ist, untersucht Mediatised Solidarity Dimensionen der Solidarität innerhalb indischer Sozial- und Protestbewegungen. Für den Zeitraum ab 2014 analysiert es das Zusammenspiel zwischen Medienpraktiken, einschließlich sozialer Medien, und dem Ausdruck sowie der Performanz von Solidarität. Durch drei Fallstudien - Shaheen Bagh, den Protest der indischen Bauern und Jugendklimaaktivismus - erforscht das Buch, wie Medien und visuelle Kunst Solidarität formen und von ihr geformt werden und inwieweit auf kollektive Erinnerungen und kulturelles Erbe zurückgegriffen wird, um soziale Kohäsion zu inszenieren.

Anne Keßler-Persaud

Sūryās Hochzeit: Kohärenz von Text und Ritual im Ṛgveda (10.85)

Der Ṛgveda ist eine gegen 1000 v. Chr. angelegte Sammlung von gut tausend Sanskrit-Hymnen, die typischerweise einen hochpoetischen Stil aufweisen. Das in dieser Sammlung überlieferte Sūryāsūkta (Ṛgveda 10.85) gilt jedoch als lose strukturierte Zusammenstellung hochzeitsbezogener Strophen.

Im vorliegenden Buch stellt Anne Keßler-Persaud diese grundlegende Annahme zum Textualitätsgrad des Sūryāsūkta in Frage. Mithilfe textlinguistischer und hermeneutischer Verfahren belegt sie eine hohe Kohärenz dieses Textes. Das Sūryāsūkta zeigt eine ausgefeilte metrische und rhetorische Struktur, und kommuniziert auf poetische Weise einen gleichfalls kohärenten Ablauf des Hochzeitsrituals der Göttin Sūryā.

Kerstin Schier

The Goddess’s Embrace: Multifaceted Relations at the Ekāmranātha Temple Festival in Kanchipuram

Ethno-Indology, Band 15

Die Studie untersucht das jährliche große Festival (mahotsava) im Ekāmranātha-Tempel in der südindischen Stadt Kanchipuram, das unter anderem die heilige Hochzeit zwischen Gott Śiva (als Ekāmranātha) und der Göttin, die allgemein als Kāmākṣī betrachtet wird, dramatisiert.

Während des Festivals stehen Götter, Göttinnen, Tempel und religiöse Traditionen in vielfältigen Beziehungen zueinander. Diese komplexen und vielschichtigen Beziehungen werden unter Berücksichtigung verschiedener historischer und zeitgenössischer Quellen untersucht, wobei Textanalysen mit der Beobachtung und Untersuchung von Ritualen, Interviews und mündlichen Erzählungen kombiniert werden.

Das Buch bietet eine detaillierte Beschreibung und Analyse der zeitgenössischen Ritualpraxis der Götterhochzeit und ihres zugehörigen Mythos in Sanskrit- und Tamil-Texten. Es werden auch die unterschiedlichen Ansichten und Interpretationen von Mitgliedern der lokalen Gemeinschaften, Tempelpriestern, Spendern und anderen Teilnehmern berücksichtigt, was zu einer Vielzahl von Perspektiven auf das Festival führt.

Zahlreiche Fotografien und Karten ergänzen die Beschreibungen der Rituale. Ein detailierter Überblick über das Festivalprogramm sowie eine Liste der erzählerischen Themen des Hochzeitsmythos sind im Anhang enthalten.

Barbara Gerke, Jan M. A. van der Valk, Tawni L. Tidwell, Calum Blaikie

Crafting Potency: Sowa Rigpa Artisanship across the Himalayas

Crafting Potency untersucht die komplexen Verflechtungen unterschiedlicher Theorien und Praktiken von Wirksamkeit in der tibetischen Medizin (Sowa Rigpa). Basierend auf tibetischer Medizinliteratur und umfassender Feldforschung mit praktizierenden Sowa Rigpa-Ärzt:innen (amchis) aus Ladakh, Dharamsala und Kathmandu zeigen die Autor:innen, wie die Wirksamkeit von Substanzen im Herstellungsprozess komplexer Heilmittel verstanden, geformt und verfeinert wird. In Anlehnung an Tim Ingolds ökologisch sensibilisierte Phänomenologie und Pamela Smiths Konzept der „artisanal epistemologies“ wird Wirkkraft als efficacy-in-becoming verstanden—als eine fluide Fähigkeit, die durch handwerkliches Können, Ritual und Umwelt geformt und geschichtet wird, anstatt als feste Eigenschaft stabiler Substanzen zu gelten. Das Buch untersucht sowohl die Einflüsse institutioneller Ausbildung als auch jene der traditionellen Arzneimittelherstellung auf die Wissensvermittlung, unterstreicht die tiefe Verankerung der amchis in ihren sozialen, ökologischen, technischen und spirituellen Lebenswelten und bietet damit praxisbezogene, differenzierte Perspektiven zur Anthropologie der Materialien und zur Wissenschaftsgeschichte.

Emma Martin (Hrsg.), Trine Brox (Hrsg.), Diana Lange (Hrsg.)

Among Tibetan Materialities: Materials and Material Cultures of Tibet and the Himalayas

Among Tibetan Materialities greift durch eine kritische Auseinandersetzung mit materieller Kultur in die klassischen Tibetstudien ein. Das Buch eröffnet neue Quellen, Methoden und Rahmenbedingungen für das Studium, Nachdenken und Schreiben über materielle Kultur, Materialien und Materialität in Tibet und im Himalaya. Es zeigt neue Möglichkeiten auf, wie diese Regionen über ihren lokalen Kontext hinaus relevant gemacht werden können. Die vorliegende Sammlung laufender Forschungsarbeiten zu historischen und Gegenwartsthemen durchbricht aktuelle Ansätze zur tibetischen und Himalaya-Materialität, indem sozial konstruierte Materialität und Materialien, aus denen Dinge bestehen, von ihrer Konzeption und Produktion bis zu ihrem Lebensende und darüber hinaus betrachtet werden.

Juliane Dame (Hrsg.), Merle Müller-Hansen (Hrsg.), Carsten Butsch (Hrsg.), Markus Keck (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 14. Jahrestagung des AK Südasien, 02.-03.02.2024, Augsburg

Extended Abstracts der 14. Jahrestagung des AK Südasien, 02.-03.02.2024, Augsburg

Vera Lazzaretti

Here and Elsewhere: Transposed Deities, Substitute Pilgrimages and Geographic Imagination in North India

Ethno-Indology, Band 17

Here and Elsewhere offers a grounded study of crucial modes of sanctification and imagination of Hindu geographies: spatial transposition and substitute pilgrimage. It looks at the local representatives of the pan-Indian jyotirliṅgas in Varanasi (Banaras) and the urban pilgrimage connected to them by combining interpretative analysis of glorifications (māhātmyas) with in-depth ethnographic research. This enables the author closely to observe the strategies that a variety of social actors employ to knit together and reproduce connections between places of the here and the elsewhere, and to locate deities and themselves within multiple spatial dimensions, both lived and imagined.

Roland Altenburger (Hrsg.), Esther Bentmann (Hrsg.)

Raum und Grenze in den Chinastudien

Die im November 2013 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg durchgeführte XXIV. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien widmete sich dem Thema „Raum und Grenze“. Sie lud zur Auslotung des Erkenntnispotenzials einer Hinwendung zum Raum, eines spatial turn in der chinabezogenen Forschung ein. Neben Beiträgen mit dem eher konventionellen Ansatz von Raum und Grenze als Territorialität wurden auch Untersuchungen zu Raum als sozialer Konstruktion vorgestellt, wobei Praktiken der Raumkonstitution, -erschließung und -beherrschung sowie Akte der Ein- und Ausgrenzung eine wichtige Rolle spielten.

István Keul (Hrsg.)

Banāras Revisited: Scholarly Pilgrimages to the City of Light

Ethno-Indology, Band 14

Die Autoren der Beiträge in Banaras Revisited stellen ihre Forschungen über eine Stadt vor, die so vielfältig, pulsierend und widersprüchlich ist, wie kaum eine andere in Indien. Entsprechend breit ist das thematische Spektrum des Bandes, der Aufsätze u.a. zu Sanskritmahatmyas, Ghatarchitektur, Klangästhetik, Marathas, Holi, Feldforschung, Mediatisierung, Hindiliteratur sowie Josef Winkler und Stefan Zweig mit einschliesst. Ergänzt wird diese Themenvielfalt durch persönlich gehaltene Beiträge zur Begegnung und Auseinandersetzung mit einem Ort, der seine Besucher (heraus)fordert und gleichzeitig in seinen Bann zieht.

Christian Soffel (Hrsg.), Tilman Schalmey (Hrsg.)

Harmonie und Konflikt in China

Im Diskurs über China, ein Land, das nach Ansicht vieler Beobachter im Zeichen der Harmonie steht, wird der Aspekt des Konflikts oft unterbelichtet. Dabei sind sowohl soziale Spannungen als auch geistige Kontroversen im chinesischen Kulturraum von jeher allgegenwärtig und erweisen sich – im Altertum wie in der Moderne – als maßgebliche Kraft für den kulturellen Wandel sowie die moderne Gesellschaftsentwicklung. Konflikt und Harmonie stehen sich dabei nicht notwendigerweise unvereinbar gegenüber, sondern befinden sich oft in einem Symbioseverhältnis, welches sich im Wechselspiel zwischen Freiheit und Unterdrückung manifestiert.
Im Spannungsfeld zwischen Konflikt und Harmonie lassen sich viele Probleme aus dem Geistes- und Gesellschaftsleben Chinas aufspüren und analysieren. Die Autorinnen und Autoren der 15 Beiträge dieses Bandes beleuchten Fragestellungen aus der Perspektive unterschiedlicher auf China bezogener Forschungsbereiche wie Philosophie, Literatur, Soziologie, Politologie, Rechtswissenschaften und Geschichte.

Astrid Zotter (Hrsg.), Christof Zotter (Hrsg.)

Hindu and Buddhist Initiations in India and Nepal

Ethno-Indology, Band 10

Für die wissenschaftliche Betrachtung von Initiationen in hinduistischen und buddhistischen Traditionen sind vor allem zwei Arten von Ritualen relevant: lebenszyklische Initiationen, die in vielen Gemeinschaften begangen werden und die abhängig von Alter und Geschlecht obligatorisch sind, sowie solche, die eher optional sind und den Zugang zu einer bestimmten religiösen Gruppe oder Praxis ermöglichen. In diesem Band behandeln Vertreter verschiedener Disziplinen Beispiele für beide Arten von Ritualen in unterschiedlichen religiösen Kontexten. Von besonderem Interesse sind dabei Verflechtungen zwischen verschiedenen Initiationen und ihre Beziehungen zu anderen Ritualarten. Die Beiträge untersuchen spezifische Aspekte von Initiationen und zeigen dabei ihre Dynamiken auf. Eines der wiederkehrenden Themen ist der von Anpassungen an neue Kontexte begleitete Transfer von Ritualelementen, der mit Modifikationen von Abläufen oder Neuzuweisungen von Bedeutungen einhergeht. Darüber hinaus diskutieren die Autoren Beziehungen zwischen Vorschrift (Ritualhandbücher) und Performanz oder Kräfte des Wandels (z.B. Ritualökonomie, geschlechterspezifische Variationen, Modernisierung und Demokratisierung).

Hiroko Nagasaki (Hrsg.), Monika Horstmann (Hrsg.), Kiyokazu Okita (Hrsg.)

Early Modern Literatures in North India: Current Research 2022–2024

Der Band enthält die Beiträge der 14th International Conference on Early Modern Literatures of North India, die vom 15. bis 19. Juli 2022 an der Universität Osaka stattfand. Er beleuchtet die Geschichte der Konferenz, ein in den 1970er Jahren durchgeführtes Manuskriptverfilmungsprojekt, dessen Ertrag für die Erforschung der Sant-Tradition grundlegend werden sollte. Außerdem mehrsprachige Jaina-Literatur, den Beitrag von Frauen im höfischen literarischen Leben, Vedanta als Interpretationskategorie, Malerei als literarisches Symbol, Wege der Sūrdās-Tradition sowie Gurmukhī-Manuskripte. Als ein gemeinsamer Nenner der Beiträge erweist sich der kosmopolitische Charakter der volkssprachlichen Literaturen in der fraglichen Zeit. 

 

Ewa Dębicka-Borek (Hrsg.), Ofer Peres (Hrsg.)

Routes, Patterns, Ideologies: Navigating Sacred Sites in India

Ethno-Indology, Band 18

Die sakrale Geografie des Hinduismus ist geprägt von einem Geflecht aus Mythen, Ritualen und Pilgerreisen. Routes, Patterns, Ideologies: Navigating Sacred Sites in India versammelt Aufsätze, die sich eingehend mit den heiligen Stätten des Hinduismus befassen und dabei den Schwerpunkt auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Stätten als zentrale Dimension ihrer theologischen und sozialen Bedeutung legen. Anhand von Textanalyse, visuellen Studien und ethnografischen Erkenntnissen beleuchten die Autor:innen dieses Bandes die Muster und Mechanismen, die heilige Stätten zu dynamischen Netzwerken verbinden, und zeigen, wie Sakralität durch sich wandelnde kulturelle, politische und theologische Landschaften kontinuierlich neu verhandelt wird.

Martin Hofmann (Hrsg.), Joachim Kurtz (Hrsg.)

Wissensorte in China

Alles Wissen hat seinen Ort. Die Räume, in denen Wissen hervorgebracht, gespeichert oder weitergegeben wird, üben konkreten Einfluss auf deren Inhalt und Form aus. Im Zuge des spatial turn sind Fragen nach den örtlichen Bedingungen von Wissen deshalb in den Fokus verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen gerückt: Welche Orte spielen bei der Sammlung und Interpretation von Wissen eine prägende Rolle? Wie beeinflussen räumliche Bedingungen Theorien und Verfahrensweisen? Welche ortsspezifischen Formen und Medien werden benutzt, um Wissen zu bewahren oder weiterzugeben? Und welche Relevanz hat der räumliche Bezug für die Gültigkeit des Wissens?
Wissensorte in China geht diesen Fragen in elf Fallstudien und einem Überblicksartikel nach. Die Beiträge spannen einen zeitlichen Bogen von der Han-Zeit bis zur Gegenwart. Sie untersuchen räumliche Dimensionen von Institutionen der höheren Bildung und Stätten der beruflichen Aus- und Weiterbildung, rekonstruieren kommerzielle und religiöse Orte wie Bücherboote und buddhistische Bücherräder, analysieren aber auch Texte und soziale Praktiken, die sich als Wissensorte eigener Art verstehen lassen. Die Artikel gewähren damit faszinierende Einblicke in eine der weltweit reichsten Wissenskulturen.
Der Band enthält ausgewählte Beiträge zur XXX. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS), die im November 2019 am Centrum für Asienwissenschaftliche und Transkulturelle Studien (CATS) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg stattfand.

Rafael Klöber

Sivaismus im Wandel: Der tamilische Saiva Siddhanta seit dem 19. Jahrhundert

Ausgangspunkt dieser Untersuchung über die philosophische Tradition des Saiva Siddhanta ist eine ethnographisch-philologische Analyse von deren tamilischen Ausprägungen und der Lehren ihrer einflussreichsten Wortführer zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dabei orientiert sich die Studie am bedeutendsten monastisch-orthodoxen Zentrum des tamilischen Saiva Siddhanta, dem Thiruvavaduthurai Adhinam. Durch ihre Öffnung für Laien seit den 1990er Jahren verbreitet diese Einrichtung die philosophischen Lehren durch eine eigene populäre Organisation und bestimmt maßgeblich die südindischen Debatten.

Die Untersuchung verfolgt dieses gegenwärtige Verständnis der tamilisch-sivaitischen Philosophie historisch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Dabei wird deutlich, dass die Konzeption des Saiva Siddhanta um 1900 einschneidende Brüche erfahren hat und sich daraus bis heute einflussreiche Namensgebungen entwickelt haben. Es wird also gezeigt, dass der tamilische Saiva Siddhanta mit seinen philosophischen Grundannahmen und literarischen Kanones das Ergebnis einer globalen Verflechtungsgeschichte darstellt, die von tamilischen Gelehrten, sivaitischen Reformern, christlichen Missionaren und europäischen Orientalisten gemeinsam geprägt wurde.

Maximilian Mehner

Ranbir Singhs Juwelenbrosche und Aigrette: Einleitung und Edition

Band 1 dokumentiert erstmals mit einer Teiledition von 19 Kapiteln den überlieferungskritisch am besten abzusichernden Textbestand dieses Sanskritwerks. In der begleitenden Einleitung werden die historischen Umstände des Texttransfers aus dem Neupersischen ausgeleuchtet. Durch Bestimmung der Übersetzungsmethode sowie einer umfassenden Darstellung der Übersetzungsverfahren Sāhibrāms wird mit vielen Beispielen und Übersichten aufgezeigt, wie Muḥsins Ethik schließlich zu Ranbir Singhs Turbanschmuck wurde.

Der edierte Sanskrittext sowie eine diplomatische Transkription des Haupttexts der nicht edierten Kapitel wurden als Forschungsdaten veröffentlicht. Diese stehen zum Download zur Verfügung unter: https://doi.org/10.11588/DATA/LTF9NA

Jörg Gengnagel

Visualized Texts: Sacred Spaces, Spatial Texts and the Religious Cartography of Banaras

Die Erforschung der Geschichte der südasiatischen Kartografie fand lange Zeit aus der Perspektive westlicher kartografischer Traditionen statt. Es wurde angenommen, dass Karten des südasiatischen Subkontinents von Ausländern und nicht von Südasiaten selbst erstellt wurden. Tatsächlich in Südasien hergestellte Karten wurden als eigenständige Kategorie vernachlässigt. Die vorliegende Studie konzentriert sich auf die religiöse Kartografie der nordindischen Pilgerstadt Banaras (Varanasi). Sie befasst sich mit Visualisierungen der Sakraltopografie von Banaras, wie sie in verschiedenen Arten von „Karten“, darunter gemalte Bildkarten, gedruckte Pilgerkarten und einfache räumliche Diagramme, dargestellt wird. Auf die Einleitung folgt eine Untersuchung des textlichen Hintergrunds des kartografischen Materials. Anschließend wird eine Debatte über die Pancakroshi-Prozession aus dem 19. Jahrhundert als Fallstudie zur Wechselwirkung zwischen Karten, Texten und Pilgerpraktiken vorgestellt. Der folgende Abschnitt enthält die erste detaillierte Studie von vier Pilgerkarten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Band schließt mit umfangreichen Indizes, die Zugang zu den zahlreichen Namen von Göttern, Orten und Tempeln bieten, die in den untersuchten Karten, Texten und Prozessionen genannt werden.

Maximilian Mehner, Reza Pourjavady

Ranbir Singhs Juwelenbrosche und Aigrette: Übersetzungen und Anhänge

Band 2 erschließt durch die deutsche Übersetzung des metrischen Grundtexts mit zahlreichen Ergänzungen aus dem Autokommentar diesen Text auch inhaltlich. Dieser Übersetzung sind die korrespondierenden Passagen der persischen Vorlage zugeordnet — ihrerseits in deutscher Übersetzung. Darauf folgen zahlreiche Anhänge, welche die intertextuellen Bezüge zusammentragen, das metrische Repertoire Sāhibrams aufzeigen und seine Figurengedichte bildlich darstellen. Auch der lexikalisch bisher nicht erfasste Teil seines Wortschatzes findet sich dort verzeichnet.

Der edierte Sanskrittext sowie eine diplomatische Transkription des Haupttexts der nicht edierten Kapitel wurden als Forschungsdaten veröffentlicht. Diese stehen zum Download zur Verfügung unter: https://doi.org/10.11588/DATA/LTF9NA

Karl Hoffmann, Bernhard Forssman (Hrsg.)

Kleines Gatha-Lesebuch: Aus dem Nachlass herausgegeben von Bernhard Forssman, unter Mitwirkung von Jürgen Habisreitinger. Mit einem Beitrag von Almut Hintze.

Dieses Buch enthält Stücke aus den "Gathas": poetischen Texten, als deren Verfasser Zarathustra angesehen wird, der Stifter der Parsen-Religion. Die Sprache dieser Dichtungen ist eine frühe Stufe des Avestischen, einer Schwestersprache des Altpersischen im alten Iran. Die sprachliche und inhaltliche Deutung der Gathas stößt auf zahlreiche Schwierigkeiten. Der bedeutende Avesta-Forscher Prof. Karl Hoffmann (1915 - 1996) legte sich für seinen Unterricht eine Sammlung von verhältnismäßig einfachen Textstücken mit eigenen Übersetzungen an. Diese Sammlung wird nunmehr aus seinem Nachlass herausgegeben, erweitert um verschiedene Beigaben, u.a. um einen Beitrag von Prof. Almut Hintze (London) über die Gathas und um ein vollständiges Vokabular.

Wolfgang Behr (Hrsg.), Simona Grano (Hrsg.), Jessica Imbach (Hrsg.), Justyna Jaguścik (Hrsg.), Samira Müller (Hrsg.), Andrea Riemenschnitter (Hrsg.), Rafael Suter (Hrsg.), Patrick Wertmann (Hrsg.), Marc Winter (Hrsg.)

Krise und Risiko: China und der Umgang mit Unwägbarkeit

In Zeiten von weltweiten Pandemien, unerwarteten Kriegen und zunehmenden gesellschaftlichen Spaltungen existiert in vielen Gesellschaften deutlicher denn je zuvor im 21. Jahrhundert ein Bewusstsein von „Krise“. Über lange Jahrzehnte unhinterfragte politische, soziale und kulturelle Gewissheiten sind unübersehbar ins Schwanken geraten. Nicht nur im deutschsprachigen Raum und in Europa zwingt dies zu einer Neuverhandlung des Umgangs mit Unwägbarkeiten, nicht zuletzt im Verhältnis zu China.
Der Band Krise und Risiko präsentiert ausgewählte Beiträge zur XXXI. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS), die im November 2020 vom Asien-Orient-Institut der Universität Zürich organisiert und coronabedingt virtuell durchgeführt wurde. Die elf Beiträge des Bandes beschreiben einen Bogen, der von der Bewältigung der Corona-Pandemie in der Volksrepublik China des Jahres 2020 über Katastrophenmotive in der populären Erzählliteratur der Ming-Zeit bis zum Topos der Selbsttötung aus Protest als vermeintliche Strategie zur Überwindung persönlicher Krisen in philosophischen Texten des Altertums reicht. Sie beleuchten dabei nicht nur verschiedene Perioden, geographische und gesellschaftliche Bereiche in China, sondern eröffnen ein weites Panorama von methodischen Zugriffen, schriftlichen und mündlichen Quellen, und analysieren die mit ihnen verbundenen sozialen, künstlerischen oder auch religiösen Praktiken und Wissenskulturen.

Thomas Lennartz (Hrsg.), Carsten Butsch (Hrsg.), Martin Franz (Hrsg.), Mareike Kroll (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 3. Jahrestagung des AK Südasien, 25./26. Januar 2013, Heidelberg

Extended Abstracts der 3. Jahrestagung des AK Südasien, 25./26. Januar 2013, Heidelberg.

 

Julia Poerting (Hrsg.), Thomas Lennartz (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 4. Jahrestagung des AK Südasien, 24./25. Januar 2014, Freiburg

Extended Abstracts der 4. Jahrestagung des AK Südasien, 24./25. Januar 2014, Freiburg.

 

Julia Poerting (Hrsg.), Markus Keck (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 5. Jahrestagung des AK Südasien, 23./24. Januar 2015, Göttingen

Extended Abstracts der 5. Jahrestagung des AK Südasien, 23./24. Januar 2015, Göttingen.

 

Stefan Schütte (Hrsg.), Hermann Kreutzmann (Hrsg.)

Making a living in Varanasi: Social place and socio-economic space

The three-semester long project was implemented in Varanasi in close cooperation with Prof. Rana PB Singh and his colleagues and students from the Department of Geography at Banaras Hindu University and with the help of a number of established contacts in the city. We could form nine mixed groups of people with local knowledge and orientation that paired with a couple of students each from the Berlin team. The thematic focus was directed on ‘Making a living in Varanasi – social place and socio-economic space’. Beyond Varanasi’s attraction as a holy pilgrimage destination and place for worship we primarily looked at professions and locations that provide opportunities for making a meagre living by hard work. Consequently, certain trades and professions, groups and communities, individuals and office-bearers who kindly allowed us to observe, follow and sit with them during their working hours and to visit them at home contributed to form a selective mosaic of living conditions in Varanasi. All nine contributions in this volume are based on the findings from these joint-endeavours that were regularly discussed and re-adjusted during our bilateral discussions and plenary meetings at night in our temporary home in Varanasi. During a follow-up seminar back in Berlin the outcomes and results were again refined and processed to such a state that we could prepare the manuscripts in a manner that they fulfilled the formal requirements which a scientific journal would demand for.

Hannah Uprety

Between Exploitation and Economic Opportunity? Identities of Male Nepalese Labor Migrants in the Gulf Region

Im Vorfeld der näher rückenden FIFA-Weltmeisterschaft in Katar wächst das mediale Interesse an der großen Rolle, die ausländische Arbeitskräfte für das rasante Wachstum der Golfstaaten-Metropolen spielen, und an den oft problematischen Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Menschen. Deutlich weniger Aufmerksamkeit gilt jedoch dem ‚anderen Ende‘ dieser Migrationsprozesse, nämlich den Kontexten, aus denen diese Arbeiter kommen und in die sie später zurückkehren. Einer dieser Kontexte liegt in Nepal, wo jährlich hunderttausende Migranten das Land auf der Suche nach sogenannter niedrigqualifizierter Arbeit verlassen. Angesichts der vergleichsweise kleinen Bevölkerung und schwachen Wirtschaft Nepals haben diese Praktiken einen enormen Einfluss auf das Land – sowohl finanziell als auch hinsichtlich der sozialen und kulturellen Transformationen, die mit ihnen einhergehen. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich diese meist männlichen Migranten und ihre Familien in transnationale Formen der Lebensführung einfinden und wie ihre Identitäten sich entlang dieses Prozesses verändern. Auf der Grundlage qualitativer empirischer Forschung aus dem Jahr 2012 liegt dabei ein besonderer Schwerpunkt auf der gesellschaftlichen (Neu-)Verhandlung von Beziehungen und Intimität im transnationalen Familienleben sowie der oft konfliktbeladenen und fragmentierten Aushandlung migrantischer Subjektivitäten. Auf diese Weise bietet die Arbeit nicht nur Einblicke in eine spezifische nepalesische Praxis, sondern reiht sich ein in eine zunehmend erstarkende kritische Migrationsforschung.

 

Felix Otter

Die Revitalisierung von Vāstuvidyā im kolonialen und nachkolonialen Indien

Vāstuvidyā, die altindische esoterische Lehre vom Hausbau, ist seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gegenstand verschiedener Wiederbelebungsversuche gewesen. Dieses Buch untersucht diese Bestrebungen im Kontext ideologischer und geistesgeschichtlicher Entwicklungen mit den Methoden der Textanalyse. Das Verhältnis der revitalisierten Version(en) von Vāstuvidyā zu den vorkolonialen vāstuśāstras, ebenso die Relevanz der Apologetik der einheimischen Wissenschaften für die Revitalisierung von Vāstuvidyā sowie die Diskursstrategien, die im revitalistischen Vāstu-Schrifttum zur Anwendung kommen, bilden die zentralen Themen des Buches.

Rezensionen

Rezension von Felix Otter: Revitalisierung von Vāstuvidyā im kolonialen und nachkolonialen Indien. Heidelberg: CrossAsia-eBooks, 2016. Rezensiert von Simon Cubelic für H-SOZ-Kult, 06.07.2018.

Sreeramula Rajeswara Sarma: The Growing Influence of "Vāstuśāstra" in India. Rezension von: Felix Otter: Revitalisierung von Vāstuvidyā im kolonialen und nachkolonialen Indien. Heidelberg: CrossAsia-eBooks, 2016. In: Orientalistische Literaturzeitung 115 (2), 2020: 97-102.

 

Andrei Dörre (Hrsg.), Stefan Schütte (Hrsg.)

Utilization and Management of Natural Resources in Kyrgyzstan

The training of students in the Department of Geography at the Centre for Development Studies (ZELF) of the Freie Universität Berlin includes the scientific preoccupation with theories of development, with social inequalities at multiple scales reaching from global to local arenas, and with questions of international development policies and practices aimed to ensure basic needs and sustainable development. (...) Following this approach, the project in 2013 was dedicated to specific issues of Kyrgyzstan’s development after 1991. The rural population of the post-socialist society depends to a great extent on the utilisation of natural resources, and the project focused primarily on the use and the management of natural resources that occur in the context of development efforts of governmental and non-governmental institutions.

Hermann Kreutzmann (Hrsg.)

Preservation of built environment and its impact on community development in Gilgit-Baltistan

The study presented here is the outcome of a mission on behalf of the Aga Khan Cultural Services Pakistan to Gilgit-Baltistan in September 2009. The linkages between cultural preservation and the restoration of historical monuments and their impact on regional economies, skill development and tourism were to be analysed by two independent researchers: Hermann Kreutzmann and Jolyon Leslie.

Martin Enzner

Carpenters of Chiniot, Pakistan: The Social Economy of Woodcraft and Furniture Production

The combination of the artisanal heritage, the existence of a contemporary large-scaled carpentry and woodcraft cluster and the phenomenon of carpentry being the prevalent occupation in the city, makes Chiniot an interesting case for an historical comparison of the socio-economic conditions of carpenters in society. Additionally, the topic of caste in a Muslim country like Pakistan is deserving of attention. The basic research questions underlying this paper are:
• Which economic processes influenced the carpenters’ lives during the British period?
• How was the socio-economic condition of Chinioti (respectively Punjabi) carpenters
constituted in the past, with emphasis on their caste identity during the British colonial period?
• What are the main characteristics of furniture production and marketing in Chiniot today? What implications does the production system have for the local carpenters
and their income perspectives?
• How is the socio-economic condition of Chinioti carpenters constituted today?
• Which defining features of the caste society were subject to change and what does it
mean for carpenters?
This paper is an attempt to better understand the lives of the “unknown carpenters” in the past as well as in the present. It is a sociogeographic analysis of Chinioti carpenters embedded in an analysis of the current nature of the local furniture cluster which frames their livelihoods.

Michael Spies

Deconstructing Flood Risks: A Livelihood and Vulnerability Analysis in Jakarta, Indonesia

“Flooding is the least of the problems, it is a usual thing.”

“We are not afraid of floods, we are used to them.”

— Interviewees in East Jakarta, December 2010

Statements like the above were given by several residents in neighbourhoods of Jakarta that are often described as being “most vulnerable” to flood hazards. (...) Is it possible that such disasters are just a minor issue for the supposedly most affected? Or are the above statements the result of subconsciously repressed disaster memories, or some kind of fatalism?

In Jakarta, several community-based projects on flood risk reduction emerged in recent years. These projects can be interpreted as responses to the growing emphasis on bottomup, community-based approaches in the international research and policy community on disaster risk reduction. Organisations such as MerciCorps and UNESCO implemented projects that aim to strengthen local capacities of flood risk reduction in Jakarta’s most affected neighbourhoods. Typical project measures are awareness campaigns on solid waste issues, the strengthening of local disaster management and small-scale, physical measures of flood mitigation.

However, considering the introductory quotes above, the legitimacy of these projects — or at least of its labelling as “community-based” and “bottom-up” — comes into question. If flooding is not seen as a problem in Jakarta’s most affected neighbourhoods, these projects appear to miss the point. In other geographical contexts, scholars criticised that humanitarian organisations look through a “disaster lens” in their community assessments and tend to neglect local risk priorities when implementing community-based projects.

Thus, the aim of this paper is to find out what is behind the apparently low priority of flood risk for the supposedly most affected people — an underrated issue in the research literature on flood or disaster risk reduction. The overall research question is therefore: Is flooding a minor problem for the most affected households in Jakarta?

Fanny Kreczi

Vulnerabilities in the Eastern Pamirs

The present study is concerned with sustainable livelihoods and the effects of development cooperation with regard to their improvement and optimization in the Eastern Pamirs. In order to present the complexity of poverty and the influence that the development cooperation bears on sustainable livelihoods in the region, the author deals with the following questions:

  • How does the complexity of poverty present itself in the local context of the high mountains in the southern countries?
  • What is the potential contribution of international organisations with respect to an improvement of sustainable livelihoods?
Hermann Kreutzmann (Hrsg.), Stefan Schütte (Hrsg.)

After the Flood in Pakistan: Assessing Vulnerability in Rural Sindh

After the devastating floods of August-September 2010 had destroyed the living abodes and detrimentally affected the basic resources of several million people in Pakistan, the subsequent relief operations were supposed to be terminated half a year later. By March 2011 a new phase with coordinated steps for mid-term rehabilitation and long-term development activities were envisaged. The way forward posed a major challenge. (...)

The report presented here draws the attention to one of the least-studied regions of Pakistan and to three districts in Sindh Province. The report covers eight villages in Sindh's Badin, Dadu, and Thatta districts. The selection of villages is strongly linked to the initiators and sponsors of this independent research project. The German Red Cross (GRC) and the Pakistan Red Crescent Society (PRCS) suggested to the Centre for Development Studies at Freie Universität Berlin to cooperate again - after a successful joint evaluation of development packages in Kashmir in 2009 (see volume 36 of this series) - in an assessment in Sindh Province. This time, the terms for the assessment followed a different rationale in involving the independent academic supporters. (...)

The objectives were wide-spread and far-reaching: First, to gain some insight into the socio-economic situation of rural communities in a wider setting of their districts, in their relationship to developments in Sindh province and within Pakistan. Second, to analyse the social set-up in rural Sindh in terms of vulnerability and exposure to risk. Third, to assess the impact the recent floods had on the livelihoods of households in the village settings. Fourth, to formulate recommendations for implementation of project packages.  (...) The result of our work is presented in this report.

Max Vöhringer

Renewable Energy and Sustainable Development: An Impact Assessment of Micro and Mini Hydel Projects in Gilgit-Baltistan, Pakistan

The Clean Development Mechanism (CDM) is a policy instrument that aims to take into account the climate development nexus. It is part of the global climate regime of the Kyoto protocol, in which most of the so-called developed countries of the world committed to reduce their GHG emissions by 5.2% below the level of 1990 until 2012. The CDM includes the developing countries in the regime by allowing developed countries to comply with their reduction commitments through the support of renewable energy projects in developing countries. The dual objective of the instrument – as laid down in article 12 of the Kyoto protocol – is to support developed countries in complying with their emission targets and to assist the developing countries in achieving Sustainable Development. There are no internationally standardized guidelines for the Sustainable Development objective but it is the host party’s responsibility to define, assess, and monitor the respective criteria.

At its initiation in 1997, the CDM was widely welcomed with high expectations for its ability to stimulate developmental benefits. By 2010, the CDM has been a great success in terms of the high quantity of projects being implemented, but has been criticised for various qualitative reasons. One of the areas of concern is that CDM projects often neglect the goal of fostering Sustainable Development on the project level and only rarely address the poorest segments of the population directly and appropriately. In order to test this hypothesis, processes on the local project level have to be analysed. What benefits are in fact created by the renewable energy projects initiated on the global climate policy level, and which of these actually impact the individual? It is the objective of this paper to investigate these questions through assessing the impact of three exemplary projects realized under the CDM.

The examples presented are small-scale hydro power plants implemented by the Aga Khan Rural Support Programme (AKRSP), a non-governmental development organisation, in Gilgit-Baltistan in the north of Pakistan. Thus far, most of the local energy demand is met by the use of biomass and fossil fuels. By implementing so-called run-of-river hydro power plants that, in contrast to larger hydro power stations, have no storage reservoir, AKRSP aims to improve the deficient access of the region’s rural population to electricity. The plants have capacities ranging between 35 and 600 kW and are also referred to micro and mini “hydels”. Comparable projects have been implemented in the high mountain region for many years. Through their promotion by the CDM they are now gaining increased prominence on the global level.

Hermann Kreutzmann (Hrsg.), Stefan Schütte (Hrsg.)

Three Years After: Evaluation of the GRC/ICRC Livestock Programme in the Earthquake-affected Areas of Pakistan-administered Kashmir

Three years after the devastating earthquake in Pakistan-administered Kashmir most relief and development programmes have gradually cut down their activities to help local communities recuperate from the disaster. In the immediate aftermath of the October 8th, 2005 earthquake a number of national and international relief organisations engaged in activities to support local communities. These activities have only rarely been evaluated to determine whether they had a mid-range or longer-lasting impact on the livelihoods of the affected people.

The report presented here is the result of an impact assessment of a livestock project implemented in the earthquake affected areas by the German Red Cross (GRC) in collaboration with the International Committee of the Red Cross (ICRC). This assessment was a joint effort of the relief and development activities executed by GRC/ ICRC, and academia from the Centre for Development Studies in the Institute of Geographic Sciences at Freie Universität Berlin. The participatory evaluation involved experienced staff from the Red Cross and representatives of village communities from the four Union Councils in Muzaffarabad District that were severely affected by the earthquake. Both acted as valuable knowledge resources, interpreters and mediators in focus group discussions and expert interviews that were conducted during the three weeks of fieldwork between March 18 and April 2, 2009. (...)

The prime objective of this joint programme was to evaluate the impact of a livestock package that intended to augment the livelihoods and provide a resource base for families affected by the earthquake, going beyond sheer disaster relief efforts and moving towards more sustainable development. The second objective was to identify achievements and short-comings of the livestock package in order to identify lessons-learned for future economic and social programmes in the context of post-disaster interventions.

Hermann Kreutzmann (Hrsg.), Matthias Schmidt (Hrsg.), Andreas Benz (Hrsg.)

The Shigar Microcosm: Socio-economic Investigations in a Karakoram Oasis Northern Areas of Pakistan

Shigar is located in the Central Karakoram, where the residents make a living based on a combination of crop farming and animal husbandry. Because of the high mountain environment and the arid climatic conditions reflected in sparse natural vegetation cover agricultural activities face significant challenges when survival on local resources is attempted. Previous investigations and studies have described the livelihood conditions and agricultural strategies adopted in the Shigar oasis. The so-called combined mountain agriculture applied here is similar to farming strategies which can be observed in the Hindu Kush, Karakoram and Himalaya.
In Shigar, the utilisation of irrigated land plays an important role within the livelihood strategies of the local people. In our study we follow the question: “In which way did land use change during the last decade?”

Mirjam Blank

Rückkehr zur subsistenzorientierten Viehhaltung als Existenzsicherungsstrategie: Hochweidewirtschaft in Südkirgistan

Mit dem Ende der UdSSR wurden politische und wirtschaftliche Transformationsprozesse ausgelöst, deren Auswirkungen die Menschen in den betroffenen Ländern, darunter auch Kirgistan, stark zu spüren bekamen. Die mit der Transformation verbundene Privatisierung staatlicher Agrarbetriebe und die Erosion staatlicher Sicherungssysteme bewirkten besonders auf dem Land eine gravierende Änderung der bisherigen Lebensumstände, da gewohnte Arbeits- und Einkommenssicherheiten schlagartig an Bedeutung verloren und die Bevölkerung plötzlich für ihre Lebensunterhaltssicherung selbst verantwortlich wurde. Bei der Suche nach geeigneten Strategien zur Existenzsicherung kommt es seitdem verstärkt zu einem Rückgriff auf bewährte Wirtschaftspraktiken.

Im Zentrum des Interesses dieser Studie stehen die Menschen, die in einem abgelegenen Hochgebirgsraum leben und – auf den politisch-wirtschaftlichen Systemwande völlig unvorbereitet – eine neue Überlebensstrategie einschlagen mussten. Ein Anliegen ist es, die Handlungsmotive dieser Menschen zu verstehen, die sich aus der sozioökonomischen Lebenssituation und der Beschaffenheit des Naturraums ergeben.

Christian Maier

Decentralised Rural Electrification by Means of Collective Action: The Sustainability of Community-Managed Micro Hydels in Chitral, Pakistan

Programmes for rural electrification, as the most prominent approach to rural energy development, are commonly embedded into rural development policies of developing countries. As in most cases national power utilities are entrusted with the task of rural electrification, these programmes are most often designed as centralised grid extension programmes. These are, however, expensive and, due to scattered villages in rural areas, do not always represent the least-cost solution for electrification. Therefore decentralised electricity and generation through diesel generators or renewable energy (RE) can often be considered as more appropriate and cost-effective. (…)

The most common business model for developing renewable energy mini grid systems is community-based organisations. Regarding the electrified village, such a community managed project requires collective action – “voluntary action taken by a group to achieve common goals.” However, in contrast to a state-owned or private solution, electricity generated in that way has characteristics of common-pool resources (CPRs), whose utilisation would, according to Hardin’s (1968) thesis, in the long term result in a “tragedy” due to over-exploitation by the users.

An example of a decentralised rural electrification project with community-managed electricity generation is the micro hydel programme of the Aga Khan Rural Support Programme (AKRSP) in Chitral, the mountainous northernmost district of the North West Frontier Province (NWFP) in Pakistan. (…)

In order to answer the question, what factors influence or even imperil the sustainability of community-managed micro hydels and to what extent Hardin’s thesis applies to these projects, a three month research internship with AKRSP in Pakistan was carried out. One month was spent in its headquarters in Gilgit, in the Northern Areas, for the collection of secondary data, and two months in the Regional Office in Chitral. Thence 27 micro hydel projects were visited and interviews with persons involved in the management of the projects were conducted.

Transformation der Livelihood Strategies im ländlichen Kirgistan: Verlorene Sicherheiten und neue Herausforderungen

Im ehemaligen sowjetischen Mittelasien erklärten im Jahre 1991 fünf neue Staaten ihre Unabhängigkeit: Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgistan. Die Unabhängigkeit dieser Länder war jedoch weniger das erklärte Ziel von vorausgegangenen Bestrebungen, wie etwa in den ostmitteleuropäischen Staaten, sondern eine Folge der Implosion der Sowjetunion. Unerwartet wurden die politischen Führer der mittelasiatischen Teilrepubliken vor die Aufgabe gestellt, einen eigenen neuen „Staat zu machen“ und, so die Wunschvorstellung des Westens, die als alternativloses Vorbild genannten Liberalisierungs- und Demokratisierungsstrategien umzusetzen. (...) Wie die vergangenen 15 Jahre seit der Unabhängigkeit gezeigt haben, verfolgen die Regierungen der neuen mittelasiatischen Republiken jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungspfade, in denen marktwirtschaftliche oder gar demokratische Prinzipien nur bedingt umgesetzt werden.
Das Ziel der vorliegenden Abhandlung besteht darin, der Frage nachzugehen, wie sich diese oftmals akademisch formulierten und auf der Makroebene initiierten Transformationsprozesse auf die Lebensbedingungen der Mikroebene, genauer gesagt der privaten Haushalte im ländlichen Kirgistan auswirken. Dabei ist die postsozialistische Transformation als ein Prozess des gleichzeitigen Wandels des gesamten Gesellschaftssystems mit seinen ökonomischen, politischen und rechtlichen Subsystemen aufzufassen.

Nicolas Schlitz (Hrsg.), Julia Poerting (Hrsg.)

Aktuelle Forschungsbeiträge zu Südasien: 6. Jahrestagung des AK Südasien, 22./23. Januar 2016, Osnabrück

Extended Abstracts der 6. Jahrestagung des AK Südasien, 22./23. Januar 2016, Osnabrück.

 

1-50 von 159